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Gemeinsames GWH und Diakonie-Projekt

Sozialdezernentin Voitl stellt Housing-First-Projekt für Obdachlose vor

Das Klingelschild, endlich wieder eigene Post und zuverlässig warmes Wasser: Es sind Alltäglichkeiten, die für die Bewohner eines Mehrfamilienhauses im Frankfurter Stadtteil Sossenheim nach wie vor etwas ganz Besonderes sind. Nach teilweise Jahrzehnten auf der Straße haben sie über ein gemeinsames Housing-First-Projekt der Stadt Frankfurt, der Wohnungsgesellschaft GWH und der Diakonie Frankfurt und Offenbach wieder zurück in ein geschütztes Leben gefunden. Zwölf ehemalige Obdachlose leben dort in eigenen Wohnungen mit eigenem Mietvertrag. Unterstützung und Beratung erhalten sie von Sozialarbeiterinnen und -arbeiter der Diakonie, die im Erdgeschoss des Wohnblocks ein Büro haben.

„Es sind viele Gespräche und Begleitung notwendig, bis der Schritt in eine eigene Wohnung möglich wird. Jeder Einzug ist für mich wichtig, es bringt für die Menschen ein Stück Normalität und soziale Teilhabe“, sagt Frankfurts Sozialdezernentin Elke Voitl bei der Vorstellung des Projektes am Dienstag, 20. September. Es sei ihr ein besonderes Anliegen, in Frankfurt noch viel mehr solcher Angebote nach dem Housing-First-Ansatz zu schaffen: „Die Strukturen und Expertise, diese erfolgreich umzusetzen, sind in unserer Verwaltung wie bei unseren Trägern gegeben. Was fehlt, ist ausreichender Wohnraum.“ Daher sei sie der GWH besonders dankbar, dass sie sich ihrer sozialen Verantwortung als Wohnungsunternehmen stelle und an dem Projekt beteilige. „Mein wiederholter Appell an private Immobilienbesitzer wie an Wohnungsgesellschaften in Frankfurt lautet: Melden Sie uns freien Wohnraum und seien sie offen für solche Projekte. Lassen sie uns gemeinsam Menschen Brücken weg von der Straße bauen.“

Der Geschäftsstellenleiter der Geschäftsstelle Süd der GWH, Michael Back, Frankfurts Sozialdezernentin Elke Voitl und der Diakoniepfarrer und theologische Geschäftsführer des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt und Offenbach, Markus Eisele, bei der Vorstellung des Housing-First-Projektes für ehemalige Obdachlose in Sossenheim im Gespräch.© Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß
„Die GWH hat sich immer als ein Wohnungsunternehmen verstanden, dass über den Tellerrand hinausschaut und einen aktiven Beitrag zum Zusammenhalt in unserer Gesellschaft leistet“, sagt der Leiter der Geschäftsstelle Süd der GWH, Michael Back. Mit dem Housing-First-Projekt sei die GWH Teil der Antwort auf das immer größer werdende Problem der Wohnungslosigkeit in Deutschland. „Und wir senden das Signal, dass unsere Quartiere eine Heimat für alle Menschen bieten – auch für jene, die sich nicht auf der Sonnenseite des Lebens befinden“, fügt Back hinzu. Die ehemaligen Obdachlosen in Sossenheim haben mit der GWH eigene unbefristete Mietverträge, die auch nach der im kommenden Jahr startenden Sanierung des gesamten Gebäudekomplexes bestehen bleiben.

Da nach Jahren auf der Straße der Weg in eine eigene Wohnung und hin zu einem selbstbestimmten, sicheren Leben mit einigen Hürden verknüpft sein kann, beraten und unterstützen Mitarbeitende der Diakonie die Menschen. Sie sind steter Ansprechpartner für Probleme von der Gesundheitsversorgung bis hin zu notwendigen Behördengängen. „Für uns ist Housing-First mehr als ‚Housing Only‘. Die Wohnung als Schutzraum und Quelle eines Sicherheitsgefühls ist eine wichtige Voraussetzung. Zugleich ist eine gute Begleitung durch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter unverzichtbar. Das zeigen unseren langjährigen Erfahrungen“, sagt der Diakoniepfarrer und theologische Geschäftsführer des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt und Offenbach, Markus Eisele. Bei persönlichen und gesundheitlichen Krisen oder wenn soziale Isolation und Verelendung drohen, sei professionelle Unterstützung dringend nötig. „Dafür stehen unsere Fachkräfte und dazu vernetzten wir uns auch eng mit den Angeboten der Wohnungsnotfallhilfe“, sagt Eisele.